Die Geschichte der Theaterdynastie Millowitsch ist schon recht lang. Der Name taucht 1792 zum ersten Mal in Köln auf. Michael Millowitsch ist Lohekuchenhändler – die zu „Briketts“ gepressten Reste der ausgelaugten Eichen- und Buchenrinde aus den Gerbereien im Bergischen - und Puppenspieler. Wo er herkommt und wer ihm das Spiel mit den Stockpuppen beigebracht hat, ist unbekannt.


Die alte Deutzer Schiffsbrücke

Sein Sohn Franz Andreas übernahm von seinem Vater die Tradition des Puppenspiels. Zunächst nur im rechtsrheinischen Köln. Dort vertrieb er mit seinem kleinen, ambulanten Theater an der Deutzer Schiffsbrücke den Passanten die Zeit, die warten mußten bis ein Schiff vorbei gefahren war und die Brücke wieder für den Verkehr geöffnet wurde.

Das war eine gefährliche Arbeit, bedeutete doch jeder sich nähernde preußische Polizist Gefahr, denn Franz Andreas besaß die "Conzession" der preußischen Obrigkeit noch nicht. Die bekam er aber 1894 für das rechtsrheinische Köln und ganze Stadt.

 
Der nächste Millowitsch - Josef Caspar - bezog schon ein festes Haus in Köln und ging darüber hinaus bereits auf Tournee. Dessen Sohn wiederum, Wilhelm Josef, revolutionierte das Millowitschtheater. Er stellte von Stockpuppen auf richtige Schauspieler um. Wilhelm Josef spielte jetzt auch andere Stücke. Die kölschen Faxen mit Hänneschen, Bestevater und den anderen Traditionsfiguren des Stockpuppentheaters wichen mehr und mehr einer Mode der Zeit: Der großen Revue. Die berühmteste war "In 80 Tagen um die Erde!".

 

Nach Wilhelms Tod übernahm seine Frau Emma die Geschicke der Dynastie, bis sie 1920 das Zepter an ihren Sohn Peter übergab. In der schweren Zeit der Depression und Inflation wanderte das Millowitsch-Theater von einem Spielort zum anderen. Vom Kristallpalast in die Schildergasse und in die Ehrenstraße. Erst 1936 wurden die Zeiten mit dem Einzug in die Aachener Straße besser.

 
Das Theater In diesem Haus hat das Theater noch heute seinen Sitz. Dort wurde am 16. September 1945 das Haus wiedereröffnet. Dank der schnellen Hilfe des damaligen Oberbürgermeisters von Köln: Konrad Adenauer. Schon während des Krieges hatte Willy von seinem Vater die Führung des Theaters übernommen und leitete es nun zusammen mit seiner Schwester Lucy.
 
 

Die nächste "Revolution" war das Fernsehen. Am 18. Oktober 1953 wurde die erste Livesendung aus dem Millowitsch-Theater übertragen. Seither sind weit mehr als 100 Sendungen gefolgt und haben den Namen Millowitsch weit über die Grenzen Kölns bekannt gemacht.

Ein Ende der Tradition ist noch nicht abzusehen, denn inzwischen hat sich Willy's Sohn Peter einen Namen gemacht und wird die Tradition der Familie in der siebten Generation fortsetzen.


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